Die vier Glocken unserer Rieter Stephanuskirche

Was hat denn da geschlagen?

© Klaus Zeuner

Unsere vier Glocken: Gebetsglocke (Mitte), Taufglöckchen (links oben), Kreuz-/Schiedsglocke und Zeichenglocke

- Ein Bericht über die Glocken von unserer Mesnerin Sylvia Ubrig

Als kleines Mädchen war ich schon ganz begeistert vom Klang der Kirchenglocken. "Bim bam" gehörte bald zu meinen ersten Lauten. Aber wie viele verschiedene Botschaften die Glocken an mich richten, habe ich erst in den letzten Jahren entdeckt.

Im Rieter Kirchturm hängen vier Glocken mit je ganz eigenem Klang.

Die größte Glocke in unserer Glockenstube ist die Gebetsglocke. Sie erklingt morgens um 6.00 Uhr. Sie  ermutigt mit Ihrem Klang, den Tag mit dem Lob Gottes zu beginnen.

Sie wäre wieder um 12.00 Uhr zu hören, da lädt sie zum Gebet  um Frieden ein. Dieses Geläut übernimmt in Riet, die Glocke am katholischen Gemeindezentrum.

 Um 18.00 Uhr schließlich, erinnert  ihr Schall daran, Gott für den erlebten Tag zu danken.

Die zweitgrößte Glocke ist die Kreuz- und  Schiedsglocke.  Auch sie gehört  zu unserem alltäglichen Geläut.

Seit Martin Luther soll die Botschaft vom Kreuz Christi  und der Erlösung wieder täglich bedacht werden. Deshalb hören wir den Klang der Kreuzglocke von Montag bis Samstag. Zuerst um 9.00 Uhr, das ist die Zeit der Kreuzigung  Jesu. (In Riet nur nach einem Todesfall, das Schiedsläuten)

Dann um  11.00 Uhr, das ist der Zeitpunkt als auf Golgatha die Finsternis herein brach. Noch einmal läutet sie eigentlich  um 15.00 Uhr zur Todesstunde Jesu. Tatsächlich erklingt sie in Riet aber erst um 16.00 Uhr. Es ist heute nicht mehr nachvollziehbar wie es zu der Verschiebung kam, vermutlich liegen ihr landwirtschaftliche Belange zu Grunde.

Der Sonntag wird ausgespart, er wird als Tag der Auferstehung gefeiert und hat mit dem Gottesdienst sein eigenes Geläut.

An ihm hören wir die dritte Glocke, sie ist die Zeichenglocke. Sie gibt uns eine Stunde  und eine halbe Stunde vor Gottesdienstbeginn ein Zeichen zur äußeren und inneren  Vorbereitung.

Nach der Zeichenglocke erfolgt zu Gottesdienstbeginn  das  "Zusammenläuten". Das ganze Dorf soll es hören, es erschallt das "volle Geläut", alle Glocken sind in Bewegung.

Die verschiedenen Töne ergeben einen feierlichen Klangteppich. Die Gemeinde versammelt sich, die einzelnen verrichten am Platz ein stilles Gebet, begrüßen die Nachbarn  und haben Zeit zur Einstimmung auf den Gottesdienst.

Wird während des Gottesdienstes das" Vaterunser" gebetet,  erklingt die Gebetsglocke. So haben zu Haue Gebliebene die Möglichkeit  mitzubeten.

Wird im  Gottesdienste eine Taufe gefeiert  begleitet der Klang  des Taufglöckchens  den Taufakt.  Sie ist  unsere kleinste und vierte Glocke im Turm.

Jetzt fehlt in meiner Aufzählung noch das Einläuten der Sonn- und Feiertage, hierzu sind am Vortag um 18.00 Uhr alle Glocken zu hören. Sie laden ein, die Arbeitswoche abzuschließen und den Ruhe- oder Feiertag zu beginnen.

Das sind unsere Glocken und ihr Geläut! Haben Sie diese Fülle an Botschaften vermutet?

© Text: Sylvia Ubrig
© Bilder: Klaus Zeuner